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Weinrallye # 52 Klimawandel im Weinberg

30/06/2012

Über die letzten Tage hatte ich viele Presseartikel über den Klimawandel im Weinbau gesammelt. Vorträge von Dr. Hermann Kolesch, Leiter Beratung, Forschung und Lehre und Dr. Arnold Schwab, Sachgebietsleiter Weinbaumanagement, beide bei der LWG Bayern, mit Bildern und Statistiken gespickt, die ich alle in meinen Artikel einarbeiten wollte.

Als ich dann gestern Abend die Artikel der Kollegen las, dachte ich, lass es. Die können das besser wie du. Schreib was Anderes.

Der Kollege Harald Steffens, von Weinbau Steffens-Keß schrieb über Hitzewallungen in Weinbergen an der Mosel.

Dimitri V. Taits von weinlog.de schrieb über den Klimawandel und die Auswirkungen auf die Iberische Halbinsel.

Sebastian Holey, studiert gerade Weinbau und Oenologie, von weinbau-oenologie.de, schrieb einen Fachartikel über Dürreperioden und Starkregen, die das Profil des Weinbergs verändern.

Stefan Schwytz von baccantus.de schrieb über einen Syrah vom Kaiserstuhl. Inhaltlich dozierte er über Riesling ohne Säure, Portwein und Cabernet aus der Pfalz und Wein in Großbritannien und Skandinavien.

Bernd Eck, Biowinzer vom Weinhaus Fabio, schrieb über den Klimawandel und trank dazu einen eigenen Bio-Merlot.

weinreich-blog lieferte gleich 2 Artikel bei. Den ersten schrieb Victoria Hendgen, die Frau mit Wein in den Genen, über Cabernet Sauvignon von der Ahr und das Essen, das sie dazu gekocht hat… Unbeschreiblich, muss man lesen! Im zweiten Artikel ging es um den Klimawandel, von dem Deutschland im Weinberg profitiert und getrunken wurde dazu ein Cuvée aus Cabernet Sauvignon und Merlot.

Cordula Eich von superschoppen.com hat sich von der vielen Weinprobiererei blendend erholt, wie man hier sehen kann und schrieb beim “Würtz”, wie soll es anders sein, über Klimawandel in ihrer Wahlheimat Holland.

Nico Medenbach von Drunkenmonday schrieb an einem Freitag über einen zusammen gebrochenen Grauburgunder aus dem Backofenjahr 2003 und fand noch einen deutschen Viognier in der Pfalz(Diese Rebsorte kannte ich noch nicht).

Peter Züllig von Wein im Gepäck schrieb über Bordeaux-Blends vom Zürich See, schweift aber auch in die Pfalz und zur Mosel ab. Ein Sammlerfreak eben.

Christian G. E. Schiller von schiller-wine.de schrieb auf Englisch über die Rebsorte malbec.

Christoph Harsch von mywineportal.com schrieb über den Huglin-Wärmesummenindex und den Klimawandel und Pinot Noir.

Sanny Krug von bottlesinabox startete beim UN-Klimagipfel in Rio de Janeiro und landete beim Klimawandel in Deutschland.

Der Altmeister Thomas Lippert schrieb im “kleinsten Weinblog Deutschlands” 25cl.de über die sich gewandelten Zeiten und Eindrücke von seiner Lehrzeit mit gefrorenen Klamotten bis zu 15% Alkohol im Wein heutiger Zeiten.

Aufgerufen hatte Torsten Goffin von glasklare-gefuehle.de zu dieser winerallye#52.

Wenn ich noch Beiträge vergessen habe, füge ich diese hier nach.

Ich habe in meinem Kopf gekramt, was und wie ich in meinem Winzerleben von 10 Jahren, seit dem ich jetzt Weinbau betreibe, den Klimawandel erlebt habe.

Während meiner Lehrzeit auf einer kleinen Raiffeisenbank von 1983 bis 1985 kam ich das erste Mal stärker mit Wein in Verbindung. Man verkaufte dort, der Wein lagerte in einer Garage, die Württemberger Weine an Kunden. Diesen Wein habe ich noch als “Sauer” und eher nicht trinkbar in Erinnerung.

Lange Jahre trank ich gar keinen Wein, da mir Wein einfach nicht mundete. Selbst als ich nach Klingenberg am Main, in eine Rotweinstadt zog, mit Weinfest und Häckerwirtschaften, wollte mir der Wein immer noch nicht richtig schmecken. Man ging mit Bekannten in die Häckerwirtschaften, auf das Winzerfest, trank Wein, aber mein Apfelsaftschorle war mir immer noch lieber, als ein Glas Wein. Ich half um die Jahrtausendwende Nachbarn unter Anleitung sachkundiger Fachleute Weinbergsmauern setzen. Ich half Trauben lesen. Wein trank ich ab und an, aber nur den guten Weinen von Wolfgang Kühn konnte ich was abgewinnen. Heute noch trinke ich nur Weine, die gut, oder außergewöhnlich gut sind und schmecke eher Weinfehler aus Weinen heraus. Das kann ich ganz gut. Vielleicht sollte ich Weinprüfer oder Weintester werden?

2002 überredete mich mein Kumpel Dieter Zöller zum Schlauch ziehen beim Spritzen, Füllen und Trauben lesen helfen und machte mir den Vorschlag, einen kleinen Weinberg zu pachten, mir dafür den Wein auszubauen und den Wein als Werbegeschenke für meine Kunden aus der Finanzdienstleistung zu verwenden. Die Geschichte und Weiterentwicklung kann man auf Perini Weinbau nachlesen.

Wie empfand ich das Wetter im Weinberg, bzw. den Klimawandel als angehender, bzw. Jungwinzer in all den Jahren bis heute?

2003 war aus meiner Sicht ein Traumjahr für Weinbergsarbeiten. Man fuhr alle 2 Wochen zum “Spritzen” raus. Oidium, der echte Mehltau und Peronospora, der falsche Mehltau, blieben “Worte” für mich. Praktisch waren die in diesem Jahr nicht zu sehen.

2004 war ein ähnlich leichtes Jahr, etwas mehr Regen und zum ersten mal im Juli sah ich Flecken der Peronospora. Die Traubenlese in beiden Jahren war unproblematisch, die Trauben so schön, dass man sie zum Aldi zum verkaufen hätte bringen können, wie die Mutter des Winzers damals bemerkte.

2005 war fast wie 2004, wieder war die Peronospora der Hauptfeind, die anderen Krankheiten waren, bis auf den Roter Brenner in anderen Weinbergen, nicht präsent. Von 2005 blieb mir in Erinnerung, dass es während der Traubenlese stundenlang heftig regnete. Meine freiwilligen Helfer, die bis dahin für Vesper und einige Flaschen Wein gerne kamen, sich 2006, als das Wetter wieder so aussah, fast alle entschuldigten und uns “im Regen stehen liesen”.

2006 war wie 2005, die Traubenlese haben wir dann zu siebt, bei knalliger Sonne bis in den späten Nachmittag gerade so hin gebracht. Leider mussten wir dann die Erfahrung machen, dass einer der Weine, wahrscheinlich bedingt dadurch, dass die Trauben, die in der Hitze und und Sonne zu lange standen, dann am Kippen war und daraus ein Weinbrand gebrannt werden musste. Ich entschloss mich nach dieser Erfahrung, bei zukünftigen Traubenlesen auf freiwillige Helfer zu verzichten, da die gerne bei schlechtem Wetter absagen und das lieber mit meiner Weinbaugruppe zu erledigen.

2007 und 2008 waren geprägt von Wetterwechseln, verkürzten Spritzabständen, starker Botrytisgefahr und Essigfäule kurz vor der Ttraubenlese. Das Alles kannte ich so noch nicht. Aus dem anfänglichen Spaß wurde mit zunehmender Weinbergfläche mehr und mehr Ernst und viele Nächte kürzer, um gesunde Trauben zu ernten. Der Klimawandel, wenn es ihn gibt, war spürbar da.

2009 war das erste Jahr, wo ich mit biologischen Spritzmitteln experimentierte. Wo mir auch zum ersten Mal vom Klimawandel mit noch extremerem Wetterwandel die Grenzen dieser Spritzmittel aufgezeigt wurden. Um die Trauben gesund zu halten, waren kürzere Spritzabstände angesagt, was mit der “Buckelspritze” bei der Hitze, die in den Terrassen herrscht, kein Vergnügen ist. Letztendlich hatten wir 2009 aber die Trauben mit dem größten Potential in meiner kurzen Winzerlaufbahn geerntet.

2010 war das Horrorjahr schlechthin. Man fuhr zum Spritzen in den Weinberg. Es regnete. Man wartete. Es regnete. Man fuhr nach Hause, die Sonne kam raus. Dann kam die Hitzewelle. Entblättern, Laubarbeiten, Spritzen bei Temperaturen bis zu 37 Grad im Schatten. Im Weinberg gibt es aber keinen Schatten. Aufstehen um 4.00 Uhr, um bei der ersten Dämmerung zu spritzen, da die Hitze unerträglich wurde. Laubarbeiten um 11.00 Uhr morgens abgebrochen, da man schon bis zu 6 Liter Flüssigkeit zu sich genommen hatte und es einfach nicht mehr ging. Danach kam der großen Regenmonat. Die Trauben wurden nicht reif. Ab August Dauernebel in unseren Terrassenlagen und daher Dauerluftfeuchtigkeit bei Nacht über 90%. Alle Krankheiten, die es im Weinbau gibt, kannte ich mittlerweile. Dem Klimawandel sei Dank. Die Traubenlese war auch Horror pur. Die wenigen Liter, die wir ernteten ließen darauf schließen, dass der Jahrgang finanziell ein Desaster wird.

2011 war das Frostjahr. Müller-Thurgau zur Hälfte erfroren. Bei Spätburgunder, Portugieser und Domina teilweise die Triebspitzen und auch die Gescheine(Trauben). Die ganze Kunst eines Winzers war in diesem Jahr besonders gefragt, um die Weinstöcke gesund zu halten und gesunde Trauben zu lesen. Die Traubenlese war auch wieder ein paar Tage zu früh, da bei unseren Nebelnächten die Botrytis und ihre Kollegen aus der Fäulnisabteilung für schlechte Trauben sorgen, wenn man diese nicht rechtzeitig erntet. Aus all diesen Gründen werden sich in meinen beiden Weinbergen nie Spitzenweine erzeugen lassen.

2012 ging der Maifrost am 17.18. Mai an uns gerade so vorbei. Die Winter in den Jahren davor brachten auch Spitzenwerte von bis zu -18 Grad hervor, so dass wir 2012 in den 2009 übernommenen Weinbergen ca. 130 Stöcke zählten, die von den Frösten und extremen Klimabedingungen “den Geist aufgegeben” hatten. Teilweise haben wir sie durch Neupflanzungen ersetzt, soweit Jungreben überhaupt am Markt waren. Die Fröste der letzten Jahre sorgten für gute Aufträge bei Rebschulen.

Wenn ich so die 10 Jahre Revue passieren lasse, muss ich feststellen, dass man den sogenannten “Klimawandel” nirgendwo extremer erleben kann, als in einem Weinberg. Als Winzer. Im Schnelldurchlauf musste ich in den letzten Jahren, Klima bedingt, Vieles als Winzer im Weinberg lernen, dass sogar Kollegen mit jahrzehntelanger Erfahrung noch nicht kannten. Erkrankungen der Rebe wie Roter Brenner Schwarzfäule, extreme Infektionen in kürzester Zeit der Peronospora, um nur einige zu nennen, sind mir mittlerweile wohl bekannt. Allerdings ist jedes Jahr meiner kurzen Laufbahn als Winzer anders als das vorherige. Jedes Jahr gibt es Neues, was man vorher nicht wusste. Liegt das alles am Klimawandel?

Perini Spätburgunder 2009 Getrunken habe ich gestern einen 2009 er Spätburgunder QbA, Trocken, 5,60€, von Perini Weinbau wein-plus.de schreibt über diesen Wein:

 Zart nussiger Duft nach teils eingemachten roten Beeren und etwas Cassis mit unterholzigen und erdigen bis mineralischen Noten. Schon etwas entwickelte Frucht im Mund, erdige und nussige Töne, etwas altes Holz, Kandistöne am Gaumen, mürbes Tannin, gewisser Schmelz, ordentlicher Abgang. Bis 2014+.

3 Kommentare leave one →
  1. 30/06/2012 7:42 nachmittags

    Klasse Beitrag zur 52. Weinrallye. Da kommen mir einige Erlebnisse der letzten zehn Jahre Weinbau sehr bekannt vor…

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